Institut für Deutsche Philologie
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Prof. Dr. em. Karl Stocker

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Der langjährige Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Karl Stocker ist Ende August verstorben. Er hat vielfältige Spuren an der LMU München hinterlassen und die noch junge Disziplin der Fachdidaktik Deutsch nicht nur in Bayern entscheidend gefördert und geformt. In den 1970er Jahren veröffentlichte er wichtige Nachschlagewerke, wie das „Taschenlexikon der Literatur- und Sprachdidaktik“ und eine „Auswahlbibliographie der Deutschdidaktik“, die die Fachdidaktik konturieren geholfen haben. Aus heutiger Sicht sind insbesondere seine Studien hervorzuheben, in denen er gleichzeitig die Grenzen der noch jungen Disziplin überschritten hat: So stellte er seit den 1960er Jahren Überlegungen an, die sowohl von „Ausländischen Deutschlehrern an deutschen Gymnasien“ handelten als auch dem Lehren und Lernen des Deutschen als Fremdsprache verpflichtet waren. Nur folgerichtig ist zu seinem 65. Geburtstag eine von seinen Schülern Kurt Franz und Horst Pointner besorgte Festschrift erschienen, die den beredten Titel „Interkulturalität und Deutschunterricht“ trägt. In Stockers Schaffen zeigt sich, dass er sich bei der Ausbildung von Lehramtsstudierenden immer an den gesellschaftlichen Erfordernissen orientierte und wichtige, bis heute prägende Entwicklungen antizipierte.

Mir als seiner Nach-Nach-Folgerin wird Karl Stocker nicht nur wegen seiner Überlegungen zur Vermittlung des Deutschen in interkulturellen Kontexten in Erinnerung bleiben. Vielmehr sind mir seine lyrischen Texte zum Holocaust wichtig geworden. Als ich im Rahmen einer Exkursion mit Studierenden der Universitäten München und Łódź im Buchlanden in Birkenau eine Lyrik-Anthologie in die Hand nahm, stieß ich auf Texte meines Kollegen. An seine Worte denkend beschloss ich einen Tag an der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ‒ zwar noch erschüttert, aber doch getröstet. Jahre später sprach ich ihn auf diese Texte an und erfuhr, mit welcher Not und Verzweiflung der 1929 Geborene diesen Ort wahrgenommen hatte.

Als ich ihn im Jahr 2013 schließlich persönlich traf, lernte ich einen aufgeschlossenen Kollegen kennen, der an den Geschicken des Münchner Standortes reges Interesse zeigte und sich seinen Mitgliedern sehr verbunden fühlte. Diese Verbundenheit fand ihren Ausdruck in Reden und Ansprachen, die er zu Festlichkeiten und Feierlichkeiten hielt. Für jede und jeden fand er ein gutes Wort.

Dankbar für die Zeit mit Karl Stocker nehmen wir Abschied von einem geschätzten Kollegen, einem langjährigen Hochschullehrer und einem beeindruckenden Menschen.

Prof. Dr. Anja Ballis
Lehrstuhlinhaberin Fachdidaktik Deutsch/Deutsch als Zweitsprache (LMU München)
Vorsitzende des Arbeitskreises Deutschdidaktik an bayerischen Universitäten