Institut für Deutsche Philologie
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Forschung und Lehre

„In der Haut möcht‘ ich stecken!“ Was vermag LARP als Lernform zu leisten? Eine Feldstudie in Schweden und Deutschland

„Hinein-versetzen“ – in einem interaktiven Spiel übernehmen alle Teilnehmenden eine Rolle und gestalten einen Charakter in einer fiktiven Umgebung. LARP (Live Action Role Playing Game) ist eine Form von Theater ohne Skript und gleichzeitig eine interaktive Spiel-, Lern- und Kunstform.
Es gibt keine Zuschauer, und alle Anwesenden spielen im Voraus bestimmte Charaktere. Die Interaktion mit anderen Spielern und der Text werden improvisiert, der Plot entsteht aus dem Spiel oder wird von einem Spielleiter gelenkt. Ein wichtiger Bestandteil ist die Reflexion nach Abschluss des Spiels. LARP zu Bildungszwecken kann in der Schule stattfinden, wird aber in Deutschland vornehmlich in Freizeiten und im außerschulischen Bildungsbereich eingesetzt, während es sich in den skandinavischen Ländern und den USA auch in der Schule in allen Fachbereichen als Lernform etabliert hat. In Dänemark werden an der Østerskov Efterskole konsequent in allen Fächern LARPs gespielt.
LARP kann im Bildungsbereich als Methode eingesetzt werden, um vorher definierte Inhalte zu konkretisieren oder zu festigen. Es kann aber auch durch den spielerischen Charakter der Motivation der Lerner dienen. Der Perspektivenwechsel kann die Lerner für Themen zu sensibilisieren, die nicht unmittelbar in ihrem Interessensfeld liegen.
Durch verbale und non-verbale Interaktion gestalten die Spieler die Handlung und treiben diese voran. So wird Kommunikation geschult und das Verstehen und Äußern spontaner Äußerungen geübt. Da es sich um ein Rollenspiel handelt, müssen die Spielenden je nach Rolle die Sprache entsprechend gestalten, sei es als Königin, Punk oder Roboter. Dies führt zu erhöhter Sprachbewusstheit, erweitert den Wortschatz und öffnet das weite Feld von Sprache und Identität.


Mixed Methods

Dieses Projekt hat zum Ziel, die Möglichkeiten und Grenzen von LARP als Lernform aufzuzeigen. Dazu wurde in einer ersten Phase das Feld nach den Prinzipien der Grounded Theory Method sondiert. Nachdem sich bestimmte Kategorien von Einsatzmöglichkeiten und Grenzen herauskristallisiert haben, werden diese nun durch eine quantitative Studie verifiziert. Hierzu werden deutsche und schwedische Pädagogen und Rollenspieler mittels Fragebögen ihre Einstellung zu diesen Kategorien ausdrücken. Parallel dazu werden in Schweden und Deutschland Leitfadeninterviews mit Experten geführt, in welchen diese die Kategorien näher erläutern.
Somit werden durch Leitfadeninterviews die Einsatzmöglichkeiten qualitativ umrissen, während die quantitative Datenanalyse eine Gewichtung derselben ergibt. Weil der Einsatz von Lernformen nicht unabhängig von dem Bildungskontext beschrieben werden kann, in welchem er stattfindet, müssen auch die Bildungslandschaften in Schweden und Deutschland beschrieben werden. Nur so können die Faktoren herausgearbeitet werden, die den Einsatz von LARP begünstigen oder erschweren.


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