Institut für Deutsche Philologie
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Neuer Sonderforschungsbereich "Vigilanzkulturen"

Mediävistik mit zwei Teilprojekten beteiligt

11.07.2019

An der LMU München startet im Juli 2019 der Sonderforschungsbereich (SFB) 1369 "Vigilanzkulturen: Transformationen. Räume. Techniken"

(Sprecher: Prof. Dr. Arndt Brendecke)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 22. Mai 2019 den Sonderforschungsbereich 1369 "Vigilanzkulturen" bewilligt, einen auf 12 Jahre angelegten interdisziplinären Forschungsverbund an der LMU München. Zwei Teilprojekte dieses neuen Sonderforschungsbereichs sind in der Germanistischen Mediävistik angesiedelt:

"Wachsamkeit und Achtsamkeit. Literarische Dynamiken von Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung in mittelalterlicher deutschsprachiger Lyrik"

Leitung: Prof. Dr. Beate Kellner und Prof. Dr. Susanne Reichlin

sfb_oswaldDas Teilprojekt geht von der Hypothese aus, dass die volkssprachliche geistliche Literatur die entscheidenden Transformationen der Reue- und Bußkonzepte im 12. und 13. Jahrhundert in spezifischer Weise aufgreift, diskutiert und modifiziert. Dabei fungieren die literarischen Texte nicht nur als Resonanzraum theologischer Lehren, sondern sie gestalten die Praktiken der Introspektion und die Annahmen über die göttliche Beobachtung aktiv mit. Das Erkenntnisinteresse des Teilprojekts richtet sich zum ersten darauf, wie die Aufmerksamkeit des Sünders skaliert und orientiert wird. Zum zweiten soll analysiert werden, wie die lyrischen Texte mit den ihnen eigenen Mitteln den Einzelnen zur beständigen Wachsamkeit motivieren und wie hierbei die Dauer und Intensität der Wachsamkeit gezielt gestaltet und variiert wird. Zum dritten soll die changierende Bewertung von Akten der Wachsamkeit (lästige Pflicht vs. Heilschance) genauer erforscht werden. Agnes Rugel und Magdalena Butz, M. A. wirken als Mitarbeiterinnen im Teilprojekt mit.

"Diabolische Vigilanz: Internalisierte Wachsamkeit und soziale Kontrolle in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Teufelserzählungen"

Leitung: Dr. Carolin Struwe-Rohr und Prof. Dr. Michael Waltenberger

sfb_hosenteuffelUntersucht werden in diesem Teilprojekt spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Erzähltexte (u.a. Erzähl- und Schwanksammlungen, Tragica, Teufelbücher) sowie Bild-Text-Kombinationen, in denen auf der Basis der theologischen Funktion und der moralischen Bedeutung der Teufelsfigur soziale Bedingungen sowie der rechtliche Zusammenhang von Verbrechen und Strafe reflektiert werden. Dabei sollen Formen und Transformationen der Inszenierung diabolisch induzierter Vigilanz unter den Bedingungen des sozialen und medialen Wandels sowie im Horizont von Reformation und Konfessionalisierung differenziert beschrieben und ihre historische Signifikanz erfasst werden.

Verantwortlich für den Inhalt: Carolin Struwe-Rohr, Magdalena Butz