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Workshops, Conferences

Workshop: Digitale Gattungshermeneutik am 27. und 28. November 2025 an der Universität Rostock

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Abstract: Aus hermeneutischer Sicht können Gattungen als Kontexte literarischer Werke verstanden werden, die einerseits deren Entstehung, Rezeption und Interpretation und andererseits auch Strukturen, Inhalte und Stil der Werke beeinflussen. Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit hat die Forschung in Literaturwissenschaft und Computational Humanities dem Sachverhalt gewidmet, dass literarische Gattungen selbst ebenfalls in unterschiedliche Kontexte eingebettet sind. Am besten untersucht ist der zeitliche Kontext (Underwood 2019), aber es gibt noch mehr: soziale, sprachliche, kulturelle, geographische, mediale und materielle Kontexte, in denen sich Gattungen entfalten (zur medialen Bedingtheit von Gattung vgl. Meyer 1987). Der Workshop legt einen Schwerpunkt auf die Betrachtung, Modellierung und Analyse solcher Kontexte als Teil der Untersuchung literarischer Gattungen mit digitalen Methoden (Hesselbach et al. 2024). Auch werden die Erschließung neuer Korpora (Henny-Krahmer 2023), neuere methodische Entwicklungen der digitalen Gattungsanalyse, etwa hinsichtlich des Einsatzes von Large Language Models und Machine Learning, in den Blick genommen. Darüber hinaus widmet sich der Workshop praxeologischen Perspektiven auf Gattung (Martus/Spoerhase 2022, Gittel 2021), der Frage nach der begrifflichen Verfasstheit und Vagheit von Gattungen (Schröter 2025) sowie dem Verhältnis von Gattung und Literaturgeschichte (Gymnich et al. 2017). Insgesamt soll der aktuelle Stand der Forschung zu literarischen Gattungen innerhalb der Computational Literary Studies reflektiert und diskutiert werden. Literatur: Hesselbach, R., Calvo Tello, J., Henny-Krahmer, U., Schöch, C. & Schlör, D. (2024). Digital Stylistics in Romance Studies and Beyond. University Publishing heiUP.Gittel, Benjamin: Fiktion und Genre. Theorie und Geschichte referenzialisierender Lektürepraktiken. 1870–1910. De Gruyter. Gymnich, M., Neumann, B., & Nünning, A. (Hrsg.). (2007). Gattungstheorie und Gattungsgeschichte. WVT, Wiss. Verl. Trier. Henny-Krahmer, U. (2023). Genre Analysis and Corpus Design. Nineteenth-Century Spanish-American Novels. Schriften des Instituts für Dokumentologie und Editorik, Band 17. Norderstedt: Books on Demand. Martus, S., & Spoerhase, C. (2022). Geistesarbeit: Eine Praxeologie der Geisteswissenschaften (Erste Auflage). Suhrkamp. Meyer, R. (1987). Novelle und Journal, I: Titel und Normen: Untersuchungen zur Terminologie der Journalprosa, zu ihren Tendenzen, Verhältnissen und Bedingungen. Steiner. Schröter, J. (2025). Zur Modellierung von Unsicherheit: Machine Learning und begriffliche Vagheit am Beispiel der Novellen im 19. Jahrhundert. Book of Abstracts – DHd 2025, 284–288. Underwood, T. (2019). Distant Horizons. Digital Evidence and Literary Change. The University of Chicago Press.

 

Die Teilnahme ist kostenlos: Anmeldung bitte an phf.dh@uni-rostock.de

 

Zurückliegende Konferenzen und Workshops

International Workshop: Scaling from Digital and Computational Perspectives

Workshop of the CAS Research Focus “Scales/Maßstäbe”, organized by Prof. Dr. Julian Schröter (LMU).

https://www.cas.lmu.de/en/events/event/scaling-from-digital-and-computational-perspectives.html.

The digital humanities have a rich tradition of using and reflecting on the metaphor of scale, going back to the concept of ‘scalable reading’ as a critique and development of Franco Moretti‘s notion of distantreading. Since then, questions of scale have had a strong connection to literary and textual computation and to the pair of ‘close’ versus ‘distant’ reading. However, the methodology of scaling in the humanities and social sciences has advanced and gained new power from the possibilities of generative AI and large language models.

Participants include Florentina Armaselu (University of Luxembourg), Boris Čučković Berger (LMU), Jana Diesner (TUM), Stefanie Schneider (LMU), Ursula Ströbele (HBK Braunschweig), Christian Wachter (Bielefeld), Thomas Weitin (Darmstadt).
Keynote, 22 May, 10 a.m.:

Prof. Katherine Bode, Ph.D.: Diffractive Writing: Text, Data, and the Limits of Scale

Katherine Bode is Professor of Literary and Textual Studies at the Australian National University. She is author of Reading by Numbers: Recalibrating the Literary Field (2012).

Workshop: Digitale Gattungshermeneutik am 12. und 13. September 2024 an der LMU München

 

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Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung bitte per E-Mail an: J.Schroeter@lmu.de

 

 Beschreibung des Workshops

Textsorten und literarische Genres stehen seit mehr als einem Jahrzehnt verstärkt im Fokus des Distant Reading. Während zunächst die Erkenn- und Reproduzierbarkeit von Textgruppen über stilometrische Nähe und distanzbasiertes Clustering sowie die Replikation von Gattungsordnungen über Klassifikationsaufgaben mit maschinellem Lernen im Vordergrund standen (so etwa noch Jockers 2013), sind seit einigen Jahren (insb. Underwood 2019) Fragen der Erfassung historischer Gattungssemantiken stärker in den Fokus gerückt. Man kann dies als einen Wandel von einem klassifikatorischen Interesse an Gattungen als Kategoriensystemen hin zu historischen und hermeneutischen Interessen an Gattungen als kommunikativen Einheiten in Kontexten ästhetischer Erfahrung beschreiben. Der Workshop will den Weg zu einem historisierenden und im weitesten Sinn hermeneutischen Interesse weiterverfolgen, indem er das Fragespektrum ausweitet: Verfahren aus dem Bereich der computergestützten Analyse und insbesondere des maschinellen Lernens erscheinen nicht nur geeignet, klassifikatorische Ansätze der Gattungsforschung zu unterstützen, sondern lassen sich auch einsetzen, um die Praktiken literarischer Kulturen im Verhältnis zwischen Texten und Gattungen zu untersuchen.

Im Workshop sollen Grundfragen der Modellierung von Literaturgeschichte und des Verhältnisses zwischen digitaler Gattungsstilistik und (historischen sowie heutigen) literarischen Praktiken des Umgangs mit Gattungen aufgeworfen und adressiert werden. Zu den möglichen Themen gehören:

  • Gattungen als gepflegte Semantik, die dank normativer Kraft von Poetiken zu Faktoren für die Gestaltung von Texten werden und auf diese Weise Textsorten prägen.
  • Das Verhältnis zwischen Praktiken der Gattungszuordnung und ästhetischen Erwartungen.
  • Gattungspolitik: Die historischen Praktiken der Zuordnung von Texten zu Gattungen kann literatur- und kulturpolitische Gründe haben, die es zu verstehen gilt, wenn man richtig beschreiben möchte, welche Funktion Gattungsbegriffe in literarischen Kulturen eingenommen haben,
  • Multiple Perspektivierungen: Gattungszugehörigkeit wird mittlerweile meist als kommunikative Zuschreibung begriffen, und nicht mehr als eine ontische Zugehörigkeit einer Entität zu einer festen Klasse von Objekten. Ein Text kann daher in unterschiedlichen kulturellen Situationen unterschiedlichen Gattungen zugeschrieben werden. Indem man untersucht, wie sich die Gattungszuordnungen für einzelne betroffene Texte wandeln, kann man Aufschluss darüber gewinnen, wie sich die Wertvorstellungen und die Aufmerksamkeiten literarischer Kulturen verschieben; gegebenenfalls kann man auch in den Blick bekommen, wie über Gattungspolitik Werke kanonisiert oder aus dem Kanon verdrängt werden sollten.
  • Das Verhältnis zwischen Gattungstheorie und empirischer Analyse: Möglichkeiten prinzipiengleiteter Theorie-Updates

Bei der Bearbeitung der genannten Themen im Rahmen des Workshops soll es insbesondere um das Ausloten, die Diskussion und das Anwenden der Möglichkeiten der Datenmodellierung und computergestützter Textanalyse im Sinne einer digitalen Gattungshermeneutik gehen.

!!! Achtung Raumänderung !!!: Die Veranstaltung findet im Tagungsraum des Philologicum (Ludwigstr. 25 | EG) statt. Nach dem Haupteingang und vor dem Informationstisch nach links und dann geradeaus!


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