Institut für Deutsche Philologie
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Gastfreundschaft und Gottvertrauen: Mittelalterliche Praktiken und Semantiken des Vertrauens

DFG-Projekt (2019–2022)

Leitung

Prof. Dr. Susanne Reichlin

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Dr. des. Romana Kaske und Maximilian Kinder, M.A.

In Anbetracht des gegenwärtig schwindenden Vertrauens in Institutionen ist Vertrauen als historisch wandelbare Praxis neu zu befragen, die grundlegend Sozialität stiftet und doch ganz unterschiedliche Formen annehmen kann. Im Zentrum des Forschungsprojekts stehen mittelalterliche und frühneuzeitliche Vertrauenspraktiken und -semantiken in narrativen und geistlichen Quellen: Untersucht wird zum einen die Darstellung sozialer Vertrauenspraktiken in Flugblatt und -schrift unter Berücksichtigung der Rückseite von Vertrauen, also Misstrauen und Zweifel, sowie der jeweiligen medialen Strategien, Vertrauen zu stiften. Zum anderen widmet sich das Projekt dem semantisch prägnanten und performativ wirksamen Sprechen über Gottvertrauen in volkssprachlichen mystischen Texten. Anhand der beiden Arbeitsbereiche wird zum einen erforscht, welche Lexeme (getriuwunge, zuoversiht, triuwe, gedingen, (ver-)trawen) im Untersuchungszeitraum benutzt werden, wie diese konzeptionalisiert werden und wie sich deren Gebrauch wandelt. Zum anderen werden die performativen Akte und Medien, die (textintern und -extern) Vertrauen erzeugen, in den Blick genommen. Davon ausgehend kann die bis anhin vernachlässigte Interdependenz von horizontalen (sozialen) und vertikalen (religiösen) Vertrauenspraktiken sowie das Neben- und Ineinander von Personen- und Institutionenvertrauen genauer analysiert werden. Auf diese Weise sollen Bausteine zu einer methodisch avancierten Begriffsgeschichte des Vertrauens bereitgestellt und eine differenziertere Abgrenzung unterschiedlicher Vertrauenstypen entwickelt werden.

Homepage des Projekts bei der DFG